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Seit heute nun "geht" unsere liebe Elsbeth nicht mehr nackt. Sie trägt ein eigens für sie entworfenes, wollenes Gewand. Ein Kleid, gehäkelt, hellblau und rose. Dazu passend eine Mütze, ebenfalls hellblau.
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Und wie ich hier gerade sitze und schreibe, um euch an Elsbeths Glück teilhaben zu lassen, erinnere ich mich daran, wie Elsbeth zu ihrem Namen kam. Immer wieder heißt es: Elsbeth, ein seltsam anmutender Name für eine Puppe. Vielleicht, sage ich dann. Aber Elsbeth wurde nach unserer - vor einigen Monaten leider unbekannt verzogenen - Nachbarin benannt. Ihre Wohnung, die sie zusammen mit ihrem Freund bewohnte, liegt direkt gegenüber unserem Küchenfenster. So, ohne dies zu provozieren, hatten wir tagein tagaus Blickkontakt. Über uns wohnte damals auch meine liebe Freundin N. Auch ihr waren gute Einblicke in Elsbeths Wohnung vergönnt. Zu dieser Zeit verweilten wir alle drei sehr häufig zu Hause. Nun sollte man eigentlich meinen, dass sich aus diesen täglichen, visuellen Kontakten irgendwann einmal ein persönlicher ergeben sollte. Jedoch Elsbeth weigerte sich beharrlich, uns zu grüßen, geschweige denn sich mit uns zu unterhalten. Durch diese Missachtung völlig frustriert, entschieden wir schließlich, dass wir auch ohne Elsbeths Gesprächigkeit an ihrem Leben teilhaben könnten. Zuerst einmal bekam sie einen Namen: Elsbeth. In den darauffolgenden Wochen und Monaten hielten N. und ich uns gegenseitig auf dem Laufenden. Elsbeth war hier, Elsbeth macht dies, Elsbeth tat jenes. Das machte wirklich Spaß. Insbesonder weil wir natürlich auch unsere Schlüsse aus dem Gesehenen zogen. Wohlbemerkt unsere Schlüsse. Besonders in Erinnerung werden mir immer die Fußballabende im Hause Elsbeth & Co bleiben. Jedes Mal wenn Deutschland spielte, wurde eine übergroße Deutschlandfahne aufgehängt, eine nette Runde Freunde eingeladen, was getrunken und gegessen und zusammen das Spiel geschaut. Diese Fahne vermissen T. und ich wirklich sehr. Sie war immer so stimmungsvoll.
Eines schönen Tages auf dem Hof, Fräulein M. war bestimmt schon ein halbes Jahr alt, sprach mich Elsbeth auf einmal völlig unverhofft an. Sie war/ist Amerikanerin, heißt natürlich nicht wirklich Elsbeth (aber immerhin fängt ihr Vorname mit E an!) und wir haben uns nett unterhalten. Seither grüßten wir uns. Als sie aufhörte zu rauchen und nicht mehr so viel Zeit am geöffneten Fenster verbrachte, nahm unser "Kontakt" rapide ab. Und schließlich kam der Tag, an dem ich bemerkte, dass stapelweise Kisten in der Wohnung standen und ein reges Treiben herrschte. Keine Ahnung wohin es sie verschlagen hat. Jedenfalls habe ich - zur Erinnerung an sie und diese kleine Geschichte - Fräulein Ms Puppe nach ihr benannt.
Gestern hat A., Ns Ex, die Wohnung über uns und somit das Haus verlassen. N. und er hatten sich schon vor Elsbeths Auszug getrennt und N. entschwand nach Kiel.
Im nächsten Jahr werden auch wir hoffentlich dies sinkende Schiff verlassen. Bis dahin heißt es, mit den Ratten zu laufen. ;-)
Allen eine schöne Woche. Ines